Mai 2021 – Schwarzer Rindenbrand breitet sich aus

Liebe Leserinnen und Leser,

bereits im Jahre 2003 wurde Hinrichs-Berger vom Landwirtschaftliches Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg ein merkwürdiges Phänomen von Herrn Reisch (Landratsamt Pforzheim) gemeldet. Es schien, dass „Baumfrevler“ einzelne Stämme und Äste an Bäume auf Streuobstwiesen angeflammt hätten.

Es stellte sich aber bei genauem Hinsehen raus, dass es sich um Schwarzen Rindenbrand handelte.

Was eine singuläre Erscheinung schien, hat sich nun doch zu einem Problem entwickelt.

Vor einiger Zeit erhielten wir die Information, dass das LTZ weiträumig Streuobstwiesenbestände untersucht und zu diesem Zweck Proben von vermutlich befallenen Bäumen kostenlos analysiert.

Was wird untersucht:

Bekämpfungsstrategien

Sorten- und Unterlagenanfälligkeiten

Wirkung von Weißanstrich

Sanierungsmöglichkeiten

Von diesem Angebot haben wir Gebrauch gemacht und auch schon Rückmeldung erhalten. Von den Bäumen im Unteren Glemstal sind tatsächlich 4 Bäume befallen.

Herr Hinrichs-Berger und Frau Zugschwerdt kamen am 04. Mai persönlich nach Ditzingen, um die geschädigten Bäume in Augenschein zu nehmen.

Wir konnten erfahren, dass bestimmte Standorte bevorzugt befallen werden, nämlich trockene Lagen mit Südexposition.

Die Eintrittspforten für den Pilz sind Rindenrisse, Sonnenbrand und Rindenverletzungen (beim Mähen oder Baumschnitt).

Was kann man tun? Wissenschaftlich gesicherte Prozeduren gibt es noch nicht. Aber man hat guten Grund anzunehmen, dass folgende Maßnahmen helfen.

Die beiden Fachleute empfehlen einstweilen sofern möglich, die Bäume bei Trockenheit und tiefem Grundwasserstand zu gießen.

Junge Bäume auf jeden Fall zu Weißeln, damit keine Frostrisse entstehen und der Sonnenbrand auf der Rinde vermieden wird.

Ob es „Rettungsmaßnahmen“ gibt, wollten wir natürlich auch noch wissen.

Herr Hinrichs-Berger konnte mit einer kurios scheinenden Lösung aufwarten. Von einer Kollegin aus Thüringen hat er erfahren, dass sie mit einem Lehm- Kuhfladenverband gute Erfahrungen gemacht hat.

Warum sollte das wirken? Nun nachdem man die befallene Stelle gründlich ausgeschnitten hat, beginnt das Überwallen der Schnittwunde. Die Wundschließung geht umso besser je feuchter die betroffene Stelle ist.

Was uns natürlich auch noch interessierte war die Frage, welche Bäume weniger befallen sind. Nicht alle Sorten zeigten eine gewisse Resistenz, aber der gute alte Brettacher und auch der Rheinische Bohnapfel war dabei.

Was kann man noch tun?

  • Nicht nur an die Wasserversorgung denken, sondern auch Düngen.
  • Verletzungen durch Anbinden vermeiden.
  • Wildverbissschutz anbringen.

Sollte man den Verdacht haben, dass die eigenen Bäume befallen sind, ist es ratsam den Erhebungsbogen des LTZ zu nutzen. Diesen findet man unter

https://ltz.landwirtschaft-bw.de/pb/,Lde/Startseite/Arbeitsfelder/Pilz_Krankheiten

 

Fragen zu diesem Thema beantwortet auch gerne Julia Zugschwerdt (LZT)

E-Mail: Julia.Zugschwerdt@ltz.bwl.de

Telefon: 0721 / 9468-3099

 

Seit 2009 sind die Streuobstbestände um 20 % zurückgegangen, von 9,3 Millionen auf heute 7,1 Millionen.

Streuobstwiesen sind nicht nur optisches Seelenbalsam, sondern auch Futterquelle für unsere Insekten. Ohne Bienen kein Honig!

Der Einsatz für die Hochstämme lohnt sich, wenn er auch beschwerlich ist.

Passen Sie auf sich auf und genießen Sie unsere einzigartige Naturlandschaft!

Helmut Bier

1. Vorsitzender