Liebe Leserinnen und Leser,
vermutlich kennt außer mir niemand das Buch Der Obstbau – Jahrgang 1904 -05. Das ist wirklich keine Bildungslücke. Das Werk zählt nicht zum Kanon der deutschen Literatur der 20. Jahrhunderts.
Gleichwohl ist seine Lektüre empfehlenswert. Dort findet man allerhand Nützliches, aber auch Amüsantes.
Hier eine Kostprobe:
Kartoffelwein.
Aus dem südlichen Odenwald wird dem „Frkf. Gen.Anz.“ berichtet: Ein heiteres Kelterstücken wird gegenwärtig in der weiteren Umgebung herzlich belacht. Ein Landwirt aus dem „Ueberwald“ hatte nämlich eine schwere Ladung Kelterobst nach M. verbracht und bei dieser Gelegenheit einige Säcke Kartoffeln für einen Beamten mitverfrachtet. Im Auftrag des Obstkäufers wurde die Ladung direkt nach der Obstmühle gefahren und daselbst alsbald verarbeitet. Der Absender aber hatte im Drang der Geschäfte die Ablieferung, resp. Absonderung der Erdäpfel übersehen und so verschwanden Aepfel und Kartoffeln beim herrschenden Halbdunkel in der gähnenden Tiefe des Mahltrichters. Erst als der Obstkartoffelmost eingekellert war, entdeckte man den fatalen Irrtum. Man ist jetztgespannt, welcher Wonnetrank der Gärung des Kartoffel-Aepfelmischmasches entsprießen wird.
Im Zeitalter des Superfoods wäre es vielleicht überlegenswert, ein neues Trendgetränk auf dem Markt zu bringen.
Na denn Prost
Helmut Bier
1.Vorstand
